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SPAWN JUBILÄUMS SPECIAL |
| Todd McFarlane im Interview (Teil 2) |
SZ: Oh nein. Es ist eine böse Monsterwelt.
Bilder von der offiziellen Spawn Seite www.spawn.com
McF: Ich habe eben einen Instinkt dafür, was die Kids lieben. Aber das beste ist, dass ich-Todd McFarlane- das Copyright für diesen Hit habe. Sie wissen, was das bedeutet?
SZ: Na?
McF: Ein Wort: Geld. Der größte Spaß an einem Erfolgsprodukt ist nun mal das Copyright. Du verdienst an jeder Fußmatte, Plastiktüte, Duftkerze. Dann kommen die merkwürdigsten Gestalten aus ihren Löchern und schleimen dich voll: Todd, wir waren immer deine Fans. Lass uns tolle Sachen zusammen machen. Jede Menge Spielzeugfabriken tanzen an, um mir tolle Vorschläge für Spawn zu unterbreiten. Habe mir alles angehört und angeschaut und war nicht zufrieden.
SZ: Wer bestimmt, was zur Puppe wird?

McF: Stellen sie sich vor, wie ich meine Turnschuhe auf den Schreibtisch lege und von Monstern, Models und Rock'n'Roll träume. Das ist meine kreative Grundstellung: Füße hoch, Nickerchen am Schreibtisch. So ist mir eine unserer erfolgreichsten Figuren eingefallen, der Rockmusiker Ozzy Osborn. Geschminkt, mit Totenschädel um den Hals-der sieht schon in echt aus wie ein Monster.
SZ: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um eine Todd McFarlane-Puppe zu werden?
McF: Ich kann nichts mit Niedlichkeit anfangen. Versager passen nicht in meine Welt.
SZ: Wer kauft ihre Puppen?
McF: Männer und Frauen jeden Alters-okay, das ist gelogen, es könnte aber so sein. Du musst deine Zielgruppe kennen. Ich könnte auch Bestseller-Puppen für Hundertjährige herstellen. Das wäre dann Moses oder Queen Mum.
SZ: Ihre Zielgruppe?
McF: Männlich, zwischen 16 und 36 Jahren. Besonders Spaß macht mir aber die Käuferschicht ab 37. Erwachsene fühlen sich schnell schuldig, einen Spielzeugladen betreten sie mit der selben Scham wie einen Sexshop. Deshalb ist es wichtig, dass meine Figuren nicht nur in Szenenläden, sondern auch in Kaufhäusern und Supermärkten ausliegen.
SZ: Sind Pubertierende wichtig?
McF: Aber sicher. Für die kaufen ihre Mütter ein. Spawn-Fans kaufen Spawn-Puppen, Austin-Power-Fans kaufen Austin Power, Ozzy Osborne-Fans kaufen Ozzy Osborne. Von denen gibt es allein in Amerika Millionen. Denken sie auch an die vielen Alt-Hippies: Die sind heute alle Abteilungsleiter oder sonst wie gesetzt und stellen sich unsere Beatles-Gummipuppen ins Büro, auf den Computer, neben die hübschen, hässlich gerahmten Familienfotos. Und dann träumen sie von guten alten Zeiten: Mann, waren wir wild! Hatten wir lange Haare! Wahrscheinlich sind das die einzigen Puppen, die sie in ihrem Leben kaufen werden, aber sie müssen sie haben. Menschen sind Fanatiker. Sie wollen ihre Helden, die sie auf CD hören oder in Filmen sehen, anfassen. Weil das nicht geht, liefern wir die Puppen.
SZ: Was macht ihnen mehr Spaß, Monster oder Menschen?
McF: John Lennon sah aus, wie er aussah. Ihn als Miniaturausgabe möglichst genau nachzubilden-darin liegt die größte Herausforderung, denn Fans verzeihen nicht die kleinste Ungenauigkeit.
SZ: In welchen Auflagen produzieren sie?
McF: Vor jeder Produktion gibt es eine Konferenz, in der genau abgewogen wird, wie der Markt, die Chancen für jede neue Figur stehen. Und was das betrifft, habe ich viel gelernt. Frauen lieben Monster. Den absonderlichsten Geschmack haben oft diese Typen in ihren dreiteiligen Büroanzügen. Die wollen die Riesenpuppen. Ein Vieh kann noch so hässlich sein-passt es nicht in den Aktenkoffer rein, bringt er es garantiert seinen Kiddies mit.
SZ: Erzählen sie von echten Irren: den Sammlern.
McF: Gut, ganz wichtig ist zunächst, dass Todd McFarlane-Fans ihre Puppen nicht auspacken. Die sind wie Briefmarkensammler. Die würden ihre besten Stücke auch nicht auf die Geschäftspost kleben. Meine Fans kaufen mehrere Exemplare einer Puppe: eine kommt an die Wand, eine auf den Fernseher, eine in den Keller.
SZ: Die blaue Mauritius unter ihren Puppen?
McF: Der gute alte Overkill. Die erste Auflage hatte einen kleinen Farbfehler und wurde sofort vom Markt genommen. Das ist natürlich genau die Version, für die jeder Sammler heute seine Eltern schlachten würde. Teure Träume. Für die Malebolgia, ein todhässliches Ungetüm, eine Top-Rarität aus einer neueren Serie, werden Preise zwischen 1000 und 10000 Dollar genannt.
SZ: Nicht zu fassen!
McF: Ich finde es cool, dass Plastikpuppen mehr kosten können als gebrauchte Chevrolets.
SZ: Haben sie mit Ende dreißig nicht manchmal Angst, den Cool-Faktor zu verlieren, der ihre Fans und Puppen auszeichnet?
McF: Bei Video-Spielen verliere ich gerade den Überblick. Von HipHop habe ich kaum Ahnung. Der Trick ist, Jüngere für dich arbeiten zu lassen, die dir, Daddy Cool, dem Puppenmeister, vertrauen.
SZ: Spielt irgendjemand mit den Puppen?
McF: Glaube nicht. Kinder vielleicht.
SZ: Und sie?
McF: Mein Job ist ein großes Abenteuerspiel.
SZ: Ihr Lieblingsspielzeug?
McF: Der Baseball, mit dem der Profi Mark McGwire den historischen "Homerun" geschafft hat. Ein schönes Stück! Hat mich schöne drei Millionen Dollar gekostet.